Angst zu haben ist nicht nur eine normale Fähigkeit, die jeder Mensch kennt, sondern auch eines der wichtigsten Gefühle. In Gefahrensituationen sind wir so nämlich im Stande, blitzschnell zu reagieren, zum Beispiel schnell vor der Gefahr davonzurennen. „Angst zu haben“ ist unser biologisches Programm, das unser Überleben sichern soll.

Solche Angstsituationen treten bei manchen Menschen jedoch auch in Situationen auf, die ursprünglich gar nicht gefährlich sind wie z. B. im Bus, auf einer Brücke oder in einem geschlossenen Raum. Bei manchen Menschen tritt die Angst eher in Situationen auf, in denen sie im Mittelpunkt stehen, z. B. wenn sie einen Vortrag halten. Auch können Ängste „aus heiterem Himmel“ auftreten und starke körperliche Symptome (Schwindel, Übelkeit, Herzrasen etc.) auslösen. Gemein sind den beschriebenen Situationen, dass die Befürchtungen objektiv betrachtet unbegründet sind, jedoch in dem Moment sehr realistisch und belastend sind.

Häufig versuchen Betroffene, die Angstsituation zu meiden, um nicht wieder unter den massiven Angstreaktionen leiden zu müssen. Dieses Verhalten führt jedoch langfristig dazu, dass sich die Bewegungsfreiheit immer weiter einschränkt und sich Betroffene aus ihrem sozialen Leben zurückziehen. Dies wird als „Angst vor der Angst“ beschrieben.

Die meisten Betroffenen versuchen anfangs häufig, die Angst alleine zu bekämpfen. Jedoch gelingt dies nur in Einzelfällen. Deutlich höhere Erfolgsaussichten bietet eine psychotherapeutische Behandlung mit dem Schwerpunkt der kognitiven Verhaltenstherapie. Mithilfe von Techniken wie Angstbewältigungsübungen und – nach sehr ausführlicher Vorbereitung – realitätsnahen Konfrontationen mit den angstauslösenden Situationen können Ängste reduziert werden. Dabei wird die Therapie ganz individuell auf die Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen angepasst. Mögliche Therapieziele können sein: Reduktion der Intensität und Häufigkeit der Ängste sowie der Angstreaktionen; Senkung des Vermeidungsverhaltens; Verbesserung der Selbstwahrnehmung in Bezug auf eigene Bedürfnisse, Wünsche und Belastungsgrenzen; Entspannung lernen.