Persönlichkeitsstörungen

Menschen mit Persönlichkeitsstörungen weisen (über die Zeit) meist sehr stabile Verhaltensmuster und Persönlichkeitszuge auf. Diese äußern sich in der Wahrnehmung, im Denken, Fühlen sowie im Verhalten und unterscheiden sich von der Mehrheit der Bevölkerung. Betroffene zeigen zumeist für Außenstehende anhaltende und kaum veränderliche Verhaltensmuster in Form von starren Reaktionen in unterschiedliche Lebenslagen. Infolge leiden Menschen mit Persönlichkeitsstörungen häufig unter Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich sowie Schwierigkeiten, langfristige Beziehungen aufzubauen und diese zu halten. Manchmal gibt es aber auch die „eine“ Ausnahme – ein Partner/eine Partnerin die an der Seite von Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung.
Die Grenzen zwischen einer „normalen“ Persönlichkeit und einer Persönlichkeitsstörung sind fließend. Daher ist es besonders wichtig, zwischen einem „normalen“ Persönlichkeitsstil und einer Persönlichkeitsstörung zu unterscheiden. Für die Unterscheidung ist es hilfreich vor allem auf die persönliche Beeinträchtigung Betroffener oder dessen Mitmenschen in der näheren Umgebung zu achten. Jedoch nicht immer leidet der Betroffen selbst unter seinen Denk-/Gefühls- und Verhaltensweisen. Für ihn/sie selbst sind diese ja meist normal, da diese quasi „mitgewachsen“ sind und zu einer früheren Zeit sinnvoll waren. Oft sind es anfangs die Mitmenschen, die sich deutlich im Wohlbefinden gestört und im Zusammenleben massiv beeinträchtigt fühlen. Die Diagnose „Persönlichkeitsstörung“ sollte wie jede andere Erkrankung ausschließlich durch Ärzte und Psychotherapeuten nach ausführlichen Untersuchungen vergeben werden.

Betonenswert erscheint in diesem Zusammenhang, dass ein Mensch, der trotz eines ausgeprägten, auffälligen Persönlichkeitsstils sozial integriert ist, seine Mitmenschen mit seinem Stil nicht übermäßig belastet und auch selbst nicht oder nur wenig darunter leidet, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht unter einer Persönlichkeitsstörung leidet.
Wir alle brauchen die eine oder andere Ausprägung innerhalb der Persönlichkeit, um uns von den anderen Mitmenschen zu unterscheiden.
Dies haben auch Forscher berücksichtigt. In den USA und auch hier wird daher zunehmend diskutiert, ob es wirklich alle der unten aufgeführten Persönlichkeitsstörungen gibt. Nach neuesten Erkenntnissen wird daher die Anzahl der offiziell zu diagnostizierenden Persönlichkeitsstörungen deutlich reduziert.
paranoide Persönlichkeitsstörung
Betroffene reagieren übertrieben empfindlich auf Kritik und Zurückweisung. Sie sind sehr nachtragend und neigen dazu, Anderen schlechte Absichten zu unterstellen. Sie verdächtigen unberechtigterweise ihren Partner der Untreue und neigen generell zu Misstrauen, Eifersucht und Angst, dass Informationen gegen sie verwendet werden konnten. Sie sind streitbar und beharren auf ihren Rechten. Ihre Gedanken kreisen um sich und sie neigen zur Überheblichkeit.

schizoide Persönlichkeitsstörung
Betroffene haben die Tendenz, sich von anderen zurückzuziehen. Sie haben eine extreme Distanz zu anderen und empfinden eine emotionale Kühle. Arger- und Liebesgefühle können sie nur schwer ausdrucken, Lob und Kritik berührt sie nur wenig. Der Wunsch nach engen Freundschaften besteht kaum. Sie sind Einzelgänger und fluchten sich in ihre Phantasien. Sie neigen manchmal auch dazu skurriles eigentümliches Verhalten zu zeigen, das die Umwelt als merkwürdig ansieht. antisoziale Persönlichkeitsstörung
Betroffenen mangelt es an Interesse für die Gefühle anderer. Sie missachten soziale Regeln und Verpflichtungen und sind verantwortungslos. Schnell reagieren sie mit Aggressionen und auch gewalttätigem Verhalten. Sie suchen die Schuld bei anderen und ihnen fehlt ein Schuldbewusstsein. Ihr unangemessenes Verhalten lasst sich durch Bestrafung nicht andern. Sie können kaum dauerhafte Beziehungen aufrechterhalten.
emotionale instabile Persönlichkeitsstörung
Betroffene neigen zu unberechenbaren emotionalen Ausbrüchen, ohne deren Konsequenzen zu berücksichtigen. Sie tun sich schwer, ihre Impulse zu kontrollieren. Werden sie dabei durch andere behindert, kommt es zu Ausbrüchen von Wut und Gewalt mit Unfähigkeit, das explosive Verhalten zu kontrollieren. Sie tun sich schwer, Verhalten beizubehalten, was nicht unmittelbar belohnt wird. Es werden zwei Arten der emotionalen Persönlichkeitsstörung unterschieden:
- Impulsiver Typus: ist gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle
- Borderline Typus: Menschen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung haben neben ihrer emotionalen Instabilität und mangelnden Impulskontrolle eine Störung des Selbstbildes. Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen sind intensiv, aber sehr instabil. Sie setzen alles daran, zu verhindern, dass sie nicht verlassen werden. Sie leiden unter innerer Leere und neigen dazu, sich selbst zu verletzen.

histrionische Persönlichkeitsstörung
Betroffene haben ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Sie sind ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, sich theatralisch in Szene zu setzen und ihre Gefühle übertrieben stark auszudrucken. Sehr wichtig ist es ihnen, attraktiv, bisweilen auch verführerisch zu erscheinen. Durch andere oder Umstände sind sie leicht beeinflussbar. Ihre Affekte sind oberflächlich und labil. Auf andere nehmen sie nur unzureichend Rücksicht, sie sind zudem leicht kränkbar.
anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung
Betroffene sind rigide, eigensinnig, ubervorsichtig, ubermaßig gewissenhaft und bestehen darauf, dass andere sich genau nach deren Gewohnheiten und Prinzipien verhalten. Sie halten sich genauestens an soziale Regeln, sind perfektionistisch und halt sich übermäßig an Details fest. Dabei vernachlässigen sie Genuss, Vergnügen und zwischenmenschliche Beziehungen.
ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung
Betroffene sind der Überzeugung, im Vergleich zu anderen unattraktiv und minderwertig zu sein. Sie sehnen sich permanent nach Zuneigung und Akzeptiertwerden und sind gleichzeitig überempfindlich gegenüber Kritik und Zurückweisung. Aus Angst vor Kritik, Missbilligung oder Ablehnung vermeiden sie berufliche oder soziale Aktivitäten. In ihrem Leben regieren Anspannung und Besorgnis.
abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung
Betroffene fühlen sich schwach und hilflos und neigen dazu, anderen die Verantwortung für ihr Leben zu übergeben. Aus Angst vor dem Verlassenwerden ordnen sie anderen ihre Bedürfnisse unter, machen ihre Wunsche nicht geltend sondern geben deren Wünschen nach.

Sie sind nur eingeschränkt in der Lage, Entscheidungen zu treffen, ohne sich Bestätigung und Ratschläge von anderen einzuholen. Besonders empfehlenswert zu diesem Thema ist das Buch von Oldham & Morris „Ihr Persönlichkeitsportrait“, in dem alle Persönlichkeitsstile und –störungen besonders detailliert beschrieben und mit kleinen Übungen versehen sind.
Therapie der Persönlichkeitsstörungen
Betroffene von Persönlichkeitsstörungen leiden oftmals unter Problemen im Kontakt mit anderen Menschen. Häufig ist es zum Beispiel so, dass übermäßig oft in Konflikte mit Kollegen oder dem eigenen Partner entstehen, dass sich Mitmenschen im Kontakt sehr häufig abwenden oder sich Betroffene selbst durch das Verhalten ihrer Mitmenschen gekränkt fühlen oder sie den Eindruck haben, von Mitmenschen ausgenutzt zu werden. Dies sind aber nur einige exemplarische Beispiele für Schwierigkeiten, die bei Betroffenen im Kontakt mit anderen auftreten können.

Innerhalb der Therapie geht es daher vor allem darum, diese Schwierigkeiten zu reduzieren, in dem Betroffene lernen, ihr eigenes Verhalten noch besser zu reflektieren und eigene Verhaltenskonsequenzen zu erkennen. Darauf basierend werden im weiteren Verlauf konkrete Veränderungen initiiert, d.h. der Betroffene wird dazu angeleitet, sich in den belasteten Situationen angemessener zu verhalten und so mit weniger negativen Konsequenzen konfrontiert zu sein. Innerhalb der Behandlung soll also erreicht werden, dass Betroffene neue Fertigkeiten entwickeln, die sie vor allem im Kontakt mit ihren Mitmenschen anwenden können.
Eine Heilung im klassischen Sinne einer völligen Symptomabwesenheit ist jedoch kaum möglich.
Je nach Persönlichkeitsstörung lassen sich darüber hinaus entsprechende weitere Behandlungsziele erarbeiten. So gilt es beispielsweise beim Vorliegen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung das selbstzerstörerische Verhalten von Betroffenen zu reduzieren und alternative Möglichkeiten zu erarbeiten, um innere Anspannung abzubauen. Bei einer ängstlich (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung sollen in der Behandlung das Vermeidungsverhalten der Betroffenen reduziert werden und weitere soziale Kompetenzen gefordert werden.
Sie sehen, so verschieden die Persönlichkeiten von Menschen sind, so verschieden sieht auch eine mögliche Therapie aus. Daher wird je nach Erkrankungsart eine entsprechende, auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Behandlung konzipiert, die Ihnen bei der Reduktion Ihrer Probleme helfen soll.