Essstörungen

Magersucht/ Anorexia Nervosa

Magersucht ist eine Essstörung, die vor allem bei Mädchen und Frauen im Alter von 14 bis 18 Jahren auftritt. Die Altersgrenze hat sich in den letzten Jahren jedoch stark nach unten verschoben, sodass auch teilweise schon Mädchen im Grundschulalter betroffen sind. Bei Mädchen und Frauen zahlt Magersucht zu den häufigsten Todesursachen. Nur ca. fünf bis zehn Prozent der Betroffenen sind Männer aber auch hier steigt die Häufigkeit in den letzten Jahren deutlich an.
Typisch für die Magersucht ist ein starker Gewichtsverlust. Dieser wird von den Betroffenen bewusst durch strenge Diäten, komplette Nahrungsverweigerung und/oder durch übertriebene sportliche Aktivitäten, herbeigeführt. Teilweise greifen Magersuchtige auch zu Abfuhrmitteln oder losen selbst Erbrechen aus, was oft zu einer weiteren Essstörung, der Bulimie-Erkrankung fuhrt. Obwohl Betroffene unter starkem Untergewicht leiden und auffällig dünn sind fühlen und erleben sie sich als zu dick. In der Fachsprache wird dieses Phänomen als Körperschemastörung bezeichnet.
Ursachen der Erkrankung können seelische, biologische und gesellschaftliche Einflüsse sein. Das gesellschaftliche Schlankheitsideal ist oftmals der erste Anstoß. Konflikte und Bemerkungen des sozialen Umfeldes können unterschwellig wirken. Auch scheint es ein gewisses Risiko der Vererbbarkeit zu geben.

Alle Verwandten ersten Grades des Betroffenen haben ein achtmal so hohes Risiko ebenfalls an Magersucht zu erkranken. Neben körperlichen Schaden durch die Mangelernahrung wie zum Beispiel: Schilddrusenunterfunktion, Ausfall der Monatsblutung, niedriger Blutdruck, Unterzucker, Haarausfall, Osteoporose und Wachstumshemmungen kommt es auch zu seelischen Veränderungen. Oft leiden Betroffene zusätzlich unter Depressionen bzw. starker Reizbarkeit, sozialer Isoliertheit und vor allem panischer Angst vor einer Gewichtszunahme.
Aus den oben erwähnten Folgen geht hervor, dass im Rahmen einer Therapie kurzfristig eine möglichst rasche Modifikation des Gewichts erfolgen sollte. Dies geschieht, indem mit den Erkrankten ein Vertrag abgeschlossen wird. In der Vereinbarung werden wesentliche Regeln und Konsequenzen des therapeutischen Vorgehens festgelegt. Hierbei ist größtmögliche Transparenz und die Festlegung erreichbarer Ziele sehr wichtig. Weitere Bestandteile der Therapie sind die Vermittlung von ausführlichen Informationen über allgemeine Zusammenhänge von Diät und Essstörung sowie über psychische und physische Veränderungen, die mit Gewichtsverlust und Kalorienreduktion im Zusammenhang stehen. Als Zielgewicht wird ein BMI von 18 vorgeschlagen.
Langfristig wird versucht, soziale Kompetenzen oder Kommunikations- und Problemlosestrategien zu erarbeiten. Schritt für Schritt können die Betroffenen so ihr altes ungünstiges Verhalten durch hilfreicheres Denken und Verhalten ersetzen. Außerdem lernen sie, wie sie ihren Körper wieder realistisch beurteilen können. Dabei bieten praktische Übungen aus anderen Therapieschulen Hilfestellung. Die Zusammenarbeit mit ärztlichen Kollegen, zumindest mit der Hausarztin/dem Hausarzt ist aufgrund der oben erwähnten körperlichen Symptome sehr wichtig.

Bulimie/ Bulimia Nervosa

Bulimie, die sogenannte „Ess-Brech-Sucht“ wird oft als eine Suchtkrankheit bezeichnet. An Bulimie Erkrankte nehmen in kürzester Zeit kalorienreiche Nahrung in sehr großen Mengen zu sich. Um eine Gewichtszunahme zu verhindern, erbrechen die Betroffenen absichtlich das Verschlungene oder nehmen Abfuhrmittel zu sich. Zwischen den sogenannten Heißhungerattacken halten Bulimiker dann strenge Diät aus Furcht dick zu werden. Äußerlich haben Betroffene ein recht normales Erscheinungsbild. Daher ist es schwer, zu erkennen, dass Hilfe benötigt wird.
Bulimie tritt vor allem bei Mädchen und Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren auf – auch hier erkranken in den letzten Jahren zunehmend Jungs und Männer. International sind schätzungsweise zwei bis vier Prozent der Bevölkerung an Essstörungen erkrankt.
Als Ursachen werden entwicklungspsychologische, neurologische und soziokulturelle Einflüsse angenommen. Nachgewiesen wurden, dass genetische Faktoren sowie mögliche neurologische Störungen, vor allem die, die das Sättigungsgefühl beeinflussen, mit zu der Entstehung der Krankheit beitragen. Ein hoher Leistungsdruck und/oder eine übermäßige Kontrolle der Gefühle in der Familie können ebenso die Entstehung einer Essstörung begünstigen. Wie bei der Magersucht spielt der Aspekt der Körperschemastörung eine große Rolle. Betroffene fühlen sich in ihrem Körper nicht wohl und es fallt ihnen schwer eine positive Identitat zu entwickeln. Korperliche Anspannung, starke Gefuhle zum Beispiel Angste zu Versagen werden von Bulimiker durch das ubermaßige Essen und folgendes Erbrechen kurzfristig reduziert.

Während einer Essattacke haben Betroffene den Eindruck ihr Verhalten nicht kontrollieren zu können. Eine Essattacke kann bis zu zwanzigmal am Tag auftreten bei der bis zu 10.000 Kalorien zu sich genommen werden. Für die Diagnose Bulimie müssen diese Anfalle mindestens zweimal die Woche über drei Monate hinweg auftreten.
Nach der Essattacke versuchen Bulimiker die Kalorienaufnahme ruckgängig zu machen, da oft starke Scham- und Schuldgefühle bis hin zu Selbsthass entstehen. Dies geschieht zum einen durch Erbrechen, aber auch durch Medikamentenmissbrauch wie Abfuhrmittel oder strenge Diäten und übermäßigen extremen Sport. Verhaltensweisen, die wiederum neue negative Gefühle auslosen und das Entstehen einer neuen Essattacke begünstigen. Diesem Teufelskreislauf zu entkommen ist eine echte Herausforderung, die alleine nur selten gelingt.
Um die Krankheit lange geheim halten zu können, ziehen sich Betroffene oft aus ihrem Umfeld zurück. Mit der Erkrankung gehen oft Depression, Selbstverstummelungshandlungen aber auch Selbsttötungsgedanken einher. Meist werden diese von der Familie oder Freunden eher als Problem erkannt.

Zu den körperlichen Folgeschaden gehören beispielsweise die Schwellung der Speicheldrusen sowie kaputte Mundwinkel. Außerdem kann es durch das Erbrechen zu Zahnschmelzabbau kommen. Auch Schleimhautentzündungen des Magens und der Speiserohre können Folgen der Bulimie sein. Durch häufiges Erbrechen fehlen wichtige Salze, die Verstopfungen und sogar Herzrhythmusstörungen zur Folge haben. Durch Mangelernährung kann es zu Schilddrüsenerkrankungen und zu Osteoporose kommen. Oft bleibt auch die Menstruation aus.
Ohne fachkundliche Hilfe ist eine Heilung seltenst möglich, da es sich bei Bulimie um eine ernstzunehmende Erkrankung handelt.
Bei der Therapie werden die Entstehungsbedingungen der Krankheit erforscht. Der Betroffene lernt seine Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen, erarbeitet z.B. einen realistischen Lebenslauf sowie hilfreiche Strategien, um mit der eigenen Person und den Gefühlen besser umgehen zu können. Der Aufbau sozialer Kontakte sowie das Erlernen von Bewältigungsstrategien bei Krisen sind ebenso wichtige Therapieelemente. Außerdem werden gesunde Verhaltensweisen erarbeitet, die bulimisches Verhalten ersetzt, Befriedigung bringen und Stress reduzieren.
Eine Zusammenarbeit mit einem ärztlichen Kollegen ist empfehlenswert.

Binge-Eating-Disorder

Der Begriff Binge-Eating-Disorder ist ein relativ neuer Krankheitsbegriff und kommt ursprünglich aus den USA. „Binge“ ist das englische umgangssprachliche Wort für „schlingen“ und assoziiert einen übermäßigen Konsum an Nahrungsmitteln. Genaue Zahlen sind leider noch nicht bekannt, jedoch haben Untersuchungen gezeigt, dass etwa zwei Prozent der Bevölkerung in den USA an dieser Erkrankung leiden. Im Gegensatz zur Bulimie und der Magersucht sind bei der Binge-Eating-Disorder auch viele Männer betroffen.
Betroffene mit Binge-Eating-Disorder können nicht kontrollieren, wie viel sie essen und wann sie damit aufhören sollten. Sie nehmen ungewöhnlich große Nahrungsmengen auf, auch wenn sie nicht hungrig sind. Ziel ist ein unangenehmes Vollgefühl – „sich selbst zu spüren“. Im Unterschied zur Bulimie leiten Betroffene keine Gegenmaßnahmen nach der übermäßigen Nahrungsaufnahme ein. Es folgt also kein extremer Sport oder Erbrechen. Betroffene sind deshalb fast immer übergewichtig.
Bereits jetzt schon Übergewichtige haben ein erhöhtes Risiko an der Binge-Eating-Disorder zu erkranken als Normalgewichtige. Meist gibt es in der Vergangenheit schon eine Unzufriedenheit mit der eigenen Figur sowie einhergehende erfolglose Diätversuche. Außerdem können Gefuhlszustande wie Langeweile, Arger, Frust oder Depression zur Entstehung einer Binge-Eating-Disorder beitragen.

Zwangsstörung

Es wird vermutet, dass ursprünglich negative Empfindungen und Gefühle durch das exsessive Essen auf positive Empfindungen umgelenkt werden.
Die Binge-Eating-Disorder liegt vor, wenn an mindestens zwei Tagen pro Woche über mindestens sechs Monate Essattacken auftreten.
Körperliche Schaden treten vor allem durch das starke Übergewicht der Betroffenen auf. Es kann vor allem zu Diabetes, Gallenblasenerkrankungen, Gelenkleiden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall oder Bluthochdruck kommen. Psychisch können soziale Isolation, Depression oder Antriebslosigkeit folgen der Krankheit sein.
Verhaltenstherapie gilt als die beste Therapieform fur Binge-Eating-Disorder. Ziel ist das Essverhalten zu normalisieren und den Essrhythmus zu regulieren. Verhaltenstherapeutische Strategien können dabei helfen, die Selbstkontrolle beim Binge-Eating zu erlangen. Außerdem werden Bewältigungsstrategien gegen Stress erarbeitet. Häufig wird auch ein Tagebuch geführt, um genau festzuhalten wie viel Nahrung wann aufgenommen wurde.

Adipositas/Fettleibigkeit

Adipositas beschreibt eine übermäßige Ansammlung an Fettgewebe im Körper. Die Vorstufe von Adipositas stellt Übergewicht dar. Hat das Übergewicht ein bestimmtes Ausmaß angenommen (BMI > 30) spricht man von Adipositas.
In den letzten Jahren hat die Anzahl der übergewichtigen Menschen besonders in den westlichen Industrienationen stark zugenommen. Im jungen Alter sind mehr Männer von Adipositas betroffen, ab dem 40. Lebensjahr verstärkt Frauen. Gesellschaftlich Problematisch ist vor allem, dass bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger Adipositas oder Übergewicht auftritt. Schätzungen zu Folge weisen fast 25 Prozent der Deutschen (18 bis 79jahrigen) einen BMI von großer als 30 auf und sind damit adipos.
Das Körpergewicht nimmt zu, weil Betroffene mehr energiereiche Kalorien zu sich nehmen als der Körper abbauen kann. Es liegt meist eine Störung des Essverhaltens vor. Adipose Menschen essen oft schneller, mehr und häufiger als Normalgewichtige.
Ein weiterer Grund für das Übergewicht können mangelnde Bewegung aber auch psychische Faktoren wie Stress, Arger, Ängste oder Langeweile sein. Außerdem wird vermutet, dass der genetisch festgelegte Stoffwechsel eine Rolle spielt, da in einer Familie die Krankheit oft häufiger auftritt. Einen Einfluss hat aber auch das sogenannte Modelllernen - die von den Eltern/Großeltern übernommenen Ernahrungsgewohnheiten in der Kindheit und Jugend.

Weitere Ursachen können auch Medikamente wie zum Beispiel die Antibabypille, Antidiabetika, Antidepressiver oder Neuroleptika sein, die den Appetit anregen. Körperliche Schaden gehen meist mit einer Adipositaserkrankung einher, z.B. Diabetes, Stoffwechselstörungen, chronisch erhöhte Blutfettwerte, die Verfettung der Leber sowie die Bildung von Gallensteinen oder aber auch Herz-Kreislauf-Störungen wie Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt oder Herzmuskelschwäche. Adipose Menschen haben außerdem erhöhtes Risiko einer Lungenerkrankungen, Tumorerkrankungen, Magen-Darm-Erkrankung und Gelenkbeschwerden.
Häufig kommt es zur sozialen Ausgrenzung der Erkrankten. Depression und eine Verminderung des Selbstwertgefühls sind die Folgen. Des Weiteren wird die Lebensqualität durch körperliche Unbeweglichkeit eingeschränkt.
Neben der Verhaltenstherapie wird zur systematischen Behandlung auch eine Ernahrungs- und Bewegungstherapie angeraten. Meist reicht es nicht aus nur den Speiseplan umzustellen um langfristig sein Gewicht zu reduzieren. Bei der Verhaltenstherapie lernen Betroffene ihr Hunger- und Sättigungsgefuhl einzuschätzen. Das früher Essverhalten wird analysiert und wird mithilfe von neuen Informationen und einem Bewegungs- und Ernahrungsplan modifiziert. Selbstwertförderliche Elemente sowie soziales Kompetenztraining sind weiterhin Bestandteile einer Therapie. Außerdem wird versucht persönlichen Stress abzubauen und alternative Strategien im Umgang mit belastenden Situationen erarbeitet.