Depression

Depression ist die häufigste psychische Erkrankung in Deutschland. Laut aktuellen Studien erkranken allein in Deutschland zwischen 10% bis 20 % aller Bundesbürger einmal in ihrem Leben an einer depressiven Episode. In den vergangenen Jahren wurde in den entwickelten Ländern ein starker Anstieg der depressiven Erkrankungen beobachtet, insbesondere in hoch industrialisierten Ländern. Die Ursachen dafür sind noch unklar, häufig wird jedoch der Stress in der Gesellschaft (in Form von gestiegener Beanspruchung sowie Unsicherheiten durch die persönliche und berufliche Situation) mit verantwortlich gemacht. In diesem Zusammenhang wird auch häufig der weitaus akzeptiertere Begriff Burnout verwendet. Wissenschaftliche Untersuchungen habe auch gezeigt, wer einmal an einer Depression erkrankt ist, dessen Wahrscheinlichkeit erhöht sich, erneut an einer Depression zu erkranken.
Es ist ganz normal, dass sich Menschen in verschiedenen Alltagssituationen z.B. nach einer Trennung niedergeschlagen fühlen. In den meisten Fallen lasst sich jedoch eine angemessene Trauerreaktion von den Symptomen einer depressiven Erkrankung klar abgrenzen. Betroffene leiden im Rahmen einer depressiven Erkrankung über einen längeren Zeitraum, mindestens zwei Wochen lang unter andauernder Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Schuldgefühle, Grubelzwang, Konzentrationsschwierigkeiten, Hilf- und Hoffnungslosigkeit.

Im gegenwärtig verwendeten Klassifikationssystem psychischer und anderer Erkrankungen (ICD 10) wird je nach Verlauf und vorhandenen Symptomen die Diagnose einer depressive Episode oder rezidivierende (wiederkehrende) depressive Störung vergeben. Ebenso wird die Intensität unterschieden. Die folgende Zuordnung ist stark vereinfacht:

  • Leichte depressive Episode: Betroffene haben einige der oben genannten Symptome sind jedoch in der Lage ihren Alltag und die berufliche Anforderungen zu bewältigen. Meist wird von einem erhöhten Energieaufwand berichtet und typischerweise sind Erholungsphasen nicht mehr so effektiv.
  • Mittlere depressive Episode: Es liegen mehr depressiven Symptomen bei den Betroffenen vor und es gibt einen erkennbaren Leidensdruck. Einige wenige schaffen es noch ihren Berufsalltag zu bewältigen, sind jedoch fast immer erschöpft, ausgelaugt und müde. Mithilfe einer psychotherapeutischen Behandlung kann die Symptomatik nachhaltig reduziert und einem Rückfall vorgebeugt werden.
  • Schwere depressive Episode bereiten dem Betroffenen große Schwierigkeiten alltägliche Lebenssituationen (z.B. morgens aus dem Bett zu kommen, sich zu Aktivitäten aufzuraffen usw.) zu meistern. Des Weiteren leiden Betroffene häufig unter Selbstmordgedanken/ Gedanken an den Tod. Daher sind schwere Depressionen dringend behandlungsbedürftig und die Einnahme von antidepressiv wirkenden Medikamenten ist notwendig.

Eine Depression entsteht meist durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Neben genetischer Veranlagung und neurobiologischen Veränderungen spielen auch psychische und psychosoziale Faktoren eine bedeutsame Rolle bei der Entwicklung einer Depression. Gibt es in der Familie mehrere nahe Angehörige mit depressiven Erkrankungen, so kann das eigene Risiko, z.B. unter Stress psychisch zu erkranken, erhöht sein. Auch konnten Wissenschaftler neurobiologische Veränderungen bei Betroffenen feststellen. Es zeigte sich, dass während einer Depression der Stoffwechsel des Gehirns gestört ist. Vor allem sind die Botenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin betroffen.
Ausloser sind meist psychische und psychosoziale Veranderungen, wie der Verlust des Arbeitsplatzes, chronische Uberlastung oder andere einschneidende Lebensereignisse konnen Depressionen auslosen. Sogar positive Ereignisse, wie eine bestandene Prufung oder eine Beforderung, Heirat stehen manchmal am Beginn einer depressiven Erkrankung. So individuell wie die Symptome einer Depression, so unterschiedlich konnen auch die Ausloser sein. Bei vielen Patienten ist jedoch kein eindeutiger Ausloser identifizierbar.

Depressive Erkrankungen konnen mithilfe verschiedener psychotherapeutischer Verfahren behandelt werden. Die besten Wirksamkeitsbelege liegen fur die sog. kognitive Verhaltenstherapie (auch in Kombination mit antidepressiven Medikationsstudien) vor. Die kognitive Verhaltenstherapie basiert auf dem folgenden Grundsatz: Die Art und Weise, wie wir denken, bestimmt, wie wir uns fuhlen und verhalten und wie wir korperlich reagieren.
Im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie konnen die folgenden Therapieziele im Vordergrund stehen um depressive Symptome zu reduzieren:

  • automatische Denkschemata (z.B. „ Alles was ich mache, mache ich falsch.“ oder „Ich bin nur was wert, wenn mich andere Menschen mogen.“) identifizieren und verandern, da sie haufig zu depressiven Symptomen fuhren
  • Aufbau einer Tagesstruktur, die neben den Pflichten auch angenehme Aktivitaten (wie z.B. Hobbies nachgehen, sich mit Freunden treffen) vorsieht
  • erlernen eines angemessenen Umgangs mit negativen Gefuhlen wie Traurigkeit, Angst und Hilflosigkeit und Ruckfallprophylaxe zur Vermeidung depressiver Ruckfalle, vor allem bei Betroffenen, die bereits mehrere depressive Episoden erlitten haben und
  • entspannen lernen

Bei Vorliegen einer schweren depressiven Symptomatik kann die Psychotherapie auch durch eine medikamentose Mitbehandlung begleitend unterstutzt werden.